DEUTSCHAMERIKANISCHE GESCHICHTE / GERMAN -AMERICAN HISTORY 


"My country, right or wrong; if right, to be kept right, and if wrong, to be set right!"

- Carl Schurz -

Die Betrachtung der deutschamerikanischen Geschichte ist auch eine Zeitreise durch die Geschichte von zwei Nationen, welche sich in einer einzigartigen Wechselwirkung prägten. Der Beginn der deutschamerikanischen Geschichte beginnt einer nordischen Sage zufolge bereits mit Tyrker, dem ersten Deutschen der Nordamerika bereiste, weit bevor die Route 1492 von Christopher Columbus offiziell entdeckt wurde. Der Sage zufolge entdeckte Tyrker mit seinem isländischen Ziehsohn Leif Eriksson den Kontinent um das Jahr 1000. Ob Tyrker tatsächlich existiert hat oder nicht bleibt ein Geheimnis in der Welt der Sagen und Legenden. Ein Fakt jedoch ist, dass in Jamestown, der ersten permanenten Siedlung auf dem heutigen Gebiet der USA, auch deutsche Einwanderer vorzufinden waren. Die ersten Deutschen kamen bereits 1608, einem Jahr nach der Gründung der englischen Siedlung, an Bord des Seglers "Mary and Margaret in die neue Welt. Sie kamen als Glasmacher und Zimmermänner und werden im Bericht von Captain John Smith, dem Gründer von Jamestown, erwähnt. In der Kolonialzeit siedelten die meisten Deutschen zwar in Virginia, New York und Pennsylvania waren aber in allen dreizehn Kolonien vorzufinden.

 

Bereits während der amerikanischen Revolution kämpften auch Deutsche für die Unabhängigkeit der Kolonien, beispielsweise Peter Muehlenberg, der zwar in den Kolonien aufgewachsen ist aber in Deutschland Theologie studierte. Nachdem er aus Europa zurückkehrte, unterstütze er zunächst Patrick Henry, einem Verfechter für die Unabhängigkeit, und schritt später direkt von einer Predigt als Oberst von der Kanzlei, um sich der neu gegründeten Kontinentalarmee anzuschließen. Deutsche Generäle wie Friedrich Wilhelm von Steuben und Gerhard von der Wieden erkämpften neben britischen Befehlshabern den souveränen Status der Vereinigten Staaten.

 

Ebenso stand es für viele eingewanderte Deutsche außer Frage die USA im Krieg von 1812 zu unterstützen, wie beispielsweise General Walbach, der britische Truppen am St. Lawrence Fluss zurückdrängen konnte.

 

Als die Besiedelung des Westens begann, gehörten deutsche Siedler zur größten Einwandergruppe und prägten neben der Stadt St. Louis zahlreiche Regionen des mittleren Westens. Dies ist auch dem Reisebericht von Gottfried Duden zu verdanken, der Tausende Deutsche inspirierte in diesen Teil der USA auszuwandern.

 

Nachdem Europa 1815 in der Schlacht von Waterloo von der Tyrannei Napoleons befreit wurde, erhofften sich viele deutsche Freiheitskämpfer ein geeintes Deutschland. Diese Sehnsucht wurde jedoch vom Wiener Kongress bitter enttäuscht, sodass Auswanderungsgesellschaften die Möglichkeit eines geeinten Deutschlands (Neu Deutschland) auf dem nordamerikanischen Kontinent in Betracht zogen, wie zum Beispiel die Gießener Gesellschaft. Die verschiedenen Gesellschaften unternahmen solche Bestrebungen auf unbesiedelten Gebieten des heutigen Missouri, Wisconsin und Texas. Bestärkt wurde der Auswanderungswunsch durch die Repressionen von Verfechtern von liberalen und nationalen Ideen, welche man spätestens seit dem Mord am konservativen Schriftsteller August von Kotzebue durch den Studenten Karl Sand als staatsgefährdend ansah. Ein berühmter Auswanderer dieser Zeit war Karl Follen, welcher erster Professor für Germanistik in den USA wurde.

 

Ein Jahr nachdem mehrere Tausend Menschen am Hambacher Fest teilnahmen, kam es 1833 zum Frankfurter Wachensturm. Eine führende Rolle bei der Aktion spielte Gustav Koerner, der als politischer Flüchtling in den USA Zuflucht bekam. Dort setzte er sich bald als Sklavereigegner für demokratische Ideale ein. Er steht heute stellvertretend für die deutschen Auswanderer, welche als sogenannte "Dreißiger" bekannt wurden.

 

Nach den Dreißigern bereicherten die Achtundvierziger die kulturelle und politische Landschaft der USA mit ihren freiheitlichen Idealen und Ideen. Sie kamen nach der gescheiterten Revolution von 1848/49.  Zu nennen sind hier vor allem Carl Schurz, Karl Heinzen, Gustav Struve, Arnold Ruge und Franz Sigel.

 

Während des amerikanischen Bürgerkriegs kämpften an die 216000 Deutsche und 500000 Amerikaner mit deutschen Wurzeln an der Seite der Union. Die beiden Generäle Carl Schurz und Adolph von Steinwehr führten sogar rein deutsche Divisionen. Die Leistung der deutschamerikanischen Soldaten wird heute mit mehreren Monumenten im Gettysburg National Military Park in Erinnerung gerufen.

 

Als 1871 das deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde, fanden in vielen Großstädten der USA Paraden statt. Das positive Deutschlandbild blieb bis zum Ersten Weltkrieg. Nachdem der US-Präsident Woodrow Wilson den Krieg ausrief, kam es zu einer antideutschen Hysterie und zum dunkelsten Kapitel in der deutschamerikanischen Geschichte. Der damalige Justizminister Gregory Thomas beschäftigte 200000 ehrenamtliche Detektive, die sogenannte amerikanische Schutzliga oder American Protective League (APL), welche Jagd auf deutschstämmige Personen machte, die verdächtigt wurden disloyal gegenüber den USA zu sein. Ein Gerücht war ausreichend, um Ermittlungen einzuleiten. Darüber hinaus wurden eine Vielzahl von unabhängigen Organisationen und Bürgerwehren gegründet, welche die antideutsche Stimmung weiter schürten. Zu nennen sind hier die American Defense Society sowie die National Security Leage (NSL). Letztere hatte über 100000 Mitglieder, welche unter anderem die bedingungslose und absolute Loyalität von deutschamerikanischen Institutionen forderten, indem sie diese dazu aufriefen das Kaiserreich öffentlich zu denunzieren. Wer sich den selbsternannten Hütern widersetzte, wurde im besten Fall durch Publikationen geächtet und im schlimmsten Fall gelyncht. Die Bürgervereinigungen hatten die komplette Verbannung der deutschen Sprache zum Ziel, angefangen von Unterrichtsverboten über die Entfernung deutscher Namen. Das Sauerkraut wurde zum "liberty cabbage" und die Nachbarn Müller und Schmitt zu den Millers und Smiths. Die Namensänderungen schützen jedoch nicht immer vor den verbalen Demütigungen, welche Millionen von Deutschamerikanern über sich ergehen lassen mussten. Britische Schimpfwörter wie "Hun" und "Hunskunk" , angelehnt an die Hunnenrede von Kaiser Wilhelm II, wurden von der US-Presse in regelmäßigen Abständen verwendet, wenn man sich auf deutschamerikanische Bürger bezog. Der antideutsche Kreuzzug fand sowohl durch private Attacken als auch durch staatliche Verfolgungen statt. Es entwickelte sich zu einem oft blutigen Sport, deutschstämmige Bürger zu jagen, um sie in Syrup zu tauchen oder sie durch ihren Ort marschieren zu lassen während die Leidtragenden unter massiven Anfeindungen den Treueschwur auf die US-Flagge ablegen oder die amerikanische Nationalhymne singen mussten. Deutschamerikanische Häuser und Einrichtungen wurden mit gelber Farbe oder einem gelben Totenkopf markiert. Ein dramatisches Verbrechen war der Fall von Robert Prager aus Collinsville, Illinois. Er musste barfuß mit einer US-Flagge in der Hand durch die Stadt marschieren. Die Polizei nahm ihn zwar in Gewahrsam, doch auch die Staatshüter konnten sich nicht vor dem Mob schützen, sodass man kurzerhand kooperierte und sich darauf einigte den Mann aus der Stadt zu schaffen, damit der Mord nicht innerhalb der Stadtgrenzen vonstattenging. Dies ersparte den Papierkram. Deutschamerikanische Priester wurden öffentlich gesteinigt oder erschossen. Besonders hart traf es Individuen, welche zwar ihren Wohnsitz in den USA hatten, aber noch nicht im Besitz der Staatsbürgerschaft waren. Die Vereinigten Staaten übernahmen das britisches Modell für ein Konzentrationslager in Fort Oglethorpe im Bundesstaat Georgia. Ernst Kunwald, der Konzertmeister des Cincinnati Symphonieorchesters, wurde mit der gesamten Belegschaft des deutschen Theaters von Cincinnati interniert. Er verglich seine Erfahrungen im Internierungslager später mit jenen autoritären Systemen, welche in anderen Teilen der Welt an die Macht kamen. 

 

Während des Zweiten Weltkriegs kam die Angst unter Deutschamerikanern auf, dass es zu einem erneuten Ausbruch der Gewalt gegenüber ihrer Gruppe kommen könnte. Vom Amerikadeutschen Volksbund, einer nationalsozialistischen Organisation in den USA, distanzierten sich sehr viele Deutschamerikaner öffentlich, da man Sorge trug mit den unamerikanischen Machenschaften des Bundes in Verbindung gebracht zu werden. Die Mitglieder des Amerikadeutschen Volksbundes warben für den Nationalsozialismus und versuchten die amerikanische Staatsbürgerschaft ausschließlich durch die Ethnie zu definieren. Dem eingebürgerten Führer des Amerikadeutschen Volksbunds, Julius Kuhn, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die US-Staatsangehörigkeit aberkannt. Eine antideutsche Hysterie wie während des Ersten Weltkrieges blieb aus. Einem Umstand der auch deutschstämmigen Juden zu verdanken ist, welche als Architekten, Ärzte, Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler eine intellektuelle Migrationsgruppe bildeten, die das öffentliche Leben in den USA mitgestalteten und auch dem deutschamerikanischen Leben einen Auftrieb gaben. Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg wurde nicht alles verdammt, was auch nur im entferntesten Sinne mit Deutschland in Verbindung gebracht werden konnte. Einige Historiker heben jedoch hervor, dass viel deutsches Kulturgut bereits vor dem Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde, sodass es zu keiner allgemeinen Hysterie kommen konnte. Von staatlicher Seite gab es allerdings erneut Repressionen. Am 7. Dezember 1941 kam es im gesamten Land zu Verhaftungen.  Auch gerieten deutschamerikanische Verbände und Vereine erneut ins Visier. Dies geschah durch steuerliche Ermittlungen. Hierunter zählten der Turner- und der Nordamerikanische Sängerbund (NASB). Dem NASB wurde vorgeworfen den Amerikadeutschen Volksbund und unamerikanische Strömungen finanziell unterstützt zu haben. Die Beweispflicht der Unschuld lag bei den Verdächtigten. Dies gelang vor allem den Sängern, welche belegen konnten, dass sie im Besitz von Staatsanleihen waren, sogenannten Victory Bonds im Wert von über einer Million Dollar. Dieser Umstand wurde durch den Hinweis unterstrichen, zahlreiche Familienangehörige im US-Militär zu haben, welche die Demokratie in der Normandie und in Deutschland verteidigten. Der NASB konnte seine Unschuld und Loyalität entgegen dem Weltbild einiger damaligen Zeitgenossen beweisen.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich das deutschamerikanische Verhältnis rapide, sodass selbst das anfängliche Fraternisierungsverbot auf keinen fruchtbaren Boden fiel. Der Grund lag in der Ähnlichkeit beider Nationen und den gegenseitigen Verwurzelungen. Viele Deutsche haben irgendeinen Verwandten in den USA und mindestens jeder fünfte Amerikaner hat deutsche Vorfahren. Heute zählt die deutschamerikanische Partnerschaft zu einem der kostbarsten Errungenschaften, welche beide Nationen miteinander verbinden.

Quellenangabe:

 

Emmerich, Alexander. Little Germany: Deutsche Auswanderer in Nordamerika. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2019.

Tolzmann, Don. The German-American Experience. New York: Humanity Books, 2000.

 

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