⋆Sportkultur⋆

Der Sport nimmt in den Vereinigten Staaten eine herausragende Stellung ein, die sich bereits im Kindesalter manifestiert. In der Schule wird der Sport nicht nur als Aktivität betrachtet, welche die physische Gesundheit fördert, sondern auch den Charakter und die Moral des Heranwachsenden bildet. So werden zahlreiche Wahlpflichtfächer und Sportclubs zur Verfügung gestellt, um die körperliche Betätigung auch über dem regulären Sportunterricht hinaus zu fördern. Professionelle Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten haben eine Vorbildfunktion für den Jugendlichen. Im Idealfall bereitet die High School den Schüler auf den Collegesport vor, der einen enorm hohen Stellenwert in der amerikanischen Kultur einnimmt. So werden im Universitätssport nicht nur das Studium und der Leistungssport zusammengeführt, sondern bietet darüber hinaus dem Zuschauer Sport auf einem hohen Niveau an. Dieses sportliche College System dient als Fundament für die vier großen Profilliegen (American Football, Baseball, Basketball und Ice Hockey) und spült den Universitäten und Colleges zusätzliches Geld in die Kassen. In Bezug auf den American Football gilt, dass gerade in Regionen in denen es keine Profiteams gibt, der College Football einen besonderen Status genießt.

Für die US-amerikanische Kultur gilt, dass dem Sport ein äußerst identitätsstiftender Charakter zugute kommt, der sich in  perfekten Inszenierungen der jeweiligen Sportevents und demzufolge auch durch ein großes mediales Interesse und einer hohen Anzahl von Spielen je Saison begleitet wird. Das größte Event ist unangefochten der alljährliche Superbowl des American Footballs. 

 

Die Sportkultur der USA ist nach innen gerichtet, das heißt, dass der Wettkampf eher auf nationaler als auf internationaler Ebene stattfindet. Im Gegensatz zu Europa sind die Ligen geschlossen, was bedeutet das es keinen Auf- oder Abstieg der einzelnen Mannschaften gibt. Eine Aufnahme in das Ligasystem ist von anderen Faktoren, nicht unbedingt von der tatsächlichen Leistung, abhängig. Hierunter zählen beispielsweise die Größe einer Stadt, dem medialen Interesse innerhalb einer Region sowie die Nähe zu einem Sponsor. Ändert sich beispielsweise der Sponsor, so kann sich auch der Standort einer Profimannschaft ändern.

Die Identität kann im US-amerikanischen Sport auch als verbindendes, über Rassen- und Klassengrenzen übergeordnetes Element gesehen werden, welches nicht nur in der Integration neuer Einwanderer hilft, sondern auch die Staatsbürger selbst durch sportliche Highlights mit der von Stars besungenen Nationalhymne und der Identifizierung mit dieser  in die Nation einbindet, wie dies in keinem anderen Land der Welt der Fall ist, sodass nicht nur von einer regionalen, sondern ebenso von einer nationalen Identität gesprochen werden kann.

Historisch gesehen entwickelte sich der hohe Stellenwert des Sports in den USA nach der Schließung des Frontiers, also des Grenzgebietes zwischen Zivilisation und Wildernis in der Era der West Expandierung in der sich die Siedler stets neuen Grenzerfahrungen stellen mussten. Nach der Schließung des Frontiers im Jahr 1890 kam die Sorge auf, dass der Mann verweichlichen würde, weshalb dem Sport durch dem 26. Präsidenten Theodore Roosevelt eine besondere Förderung zugute kam. 

Der hohe Stellenwert der amerikanischen Sportkultur geht nicht zuletzt auf die protestantische Kirche und ihrer Lehre des muskulösen Christentums (Muscular Christianity) zurück, welche im 18. Jahrhundert  sehr populär wurde.  Zwar kam die Lehre ursprünglich in England auf doch war gerade  im 18. und im 19. Jahrhundert der Amerikaner noch immer sehr eng mit der englischen Literatur verwoben, sodass das Model des Muscular Christian sehr an Einfluss in der Neuen Welt gewann.